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Presse
Perfektes Zusammenspiel - Der Patriot,
Lippstädter Zeitung vom 29.11.2005
Die Leichtigkeit der Mozarttechnik -
Westdeutsche Zeitung vom 2.6.2006
Klangvoller Mozart im Doppelpack -
Meininger Tageblatt vom 28.6.2006
DasTagebuch
der Anne Frank - von Veronika Pantel
"Ungehörte Musik" mit vielen Emotionen - Westdeutsche Zeitung vom 8.5.2007
Packende Gestaltungskraft - Coburger Tageblatt vom 29.10.2007
Musiker auf Erfolgskurs - "Westdeutsche Zeitung" vom 29.01.2008
CD: Werke von Theodor Blumer und Max Reger mit einzigartiger Tiefe
Auf einen Blick:
Das Trio (...)
begeisterte (...) mit einem ausgezeichneten, dynamisch ausgewogenen
instrumentalen
Zusammenspiel.
(...) eine (...)
Transkription, die dank der glänzenden, zum
Glück unpathetischen Musizierlaune und virtuosen Spieltechnik der
Interpreten das umfangreiche Werk zu einem nachhaltigen Klangerlebnis
werden ließ.
Mit großer
Präzision legen Jakob Schatz, Michael Gehlmann und Denis Krotov
Klänge
und Strukturen frei.
Überdeutlich
führen sie thematische Linien quer durch die
Stimmen - und das stets mit ungeheurer technischer Leichtigkeit. So von
jedem drohenden Kitsch befreit, aber eben auch auf einer gewissen
Distanz gehalten, fließt die Musik wie schwerelos dahin - eine
ebenso erholsame wie produktive Ausnahme im Highlight-Einerlei des
Mozart-Jahres.
Ohne jedwede
Zugeständnisse ans Gefällige, (...) mit sicherem Gespür
für den Partner, trafen sie in den langsamen Sätzen
schönsten Mozartton.
... tief bewegend spielt das Trio...
... fein ausbalanciert im Zusammenspiel, klar
und unverblümt in der Diktion, sachlich und emotional zugleich. ...
... Die Gäste aus Wuppertal bewiesen hier erneut ihre Fähigkeit, ebenso spannungsvoll wie nuancenreich und klangfarblich differenziert, dazu mit lebendig atmender Phrasierung zu musizieren. ...
... Die Begeisterung der Musikfreunde machte deutlich, dass dieses Ausnahmetrio höchster Klangkunst mehr als einen kleinen romantischen Zirkel von Konzertbesuchern verdient gehabt hätte.
... Sie bieten wunderbare Klangqualität, fein aufeinander abgestimmt und perfekte Technik. ...
... Es wird folgenden Ensembles schwer fallen,
diesen Rang in der längst fälligen Beachtung und Interpretation des 1964 gestorbenen Komponisten auch nur annähernd
zu erreichen.
Perfektes Zusammenspiel
Das Neue Wuppertaler Streichtrio bestach durch Musizierlaune.
Dank virtuoser Spieltechnik wurde Konzert zum Klangerlebnis
ERWITTE Im stilvoll-gemütlichen Ambiente des adventlich
geschmückten Rittersaals im Erwitter Schloss gab das Neue
Wuppertaler Streichtrio mit einem festlich gestimmten Adventskonzert
seine musikalische Visitenkarte ab. Das Trio, das sich erst vor zwei
Jahren zu dieser kammermusikalischen Formation zusammenfand, rekrutiert
sich aus drei jungen Vollblutmusikern und Preisträgern zahlreicher
Wettbewerbe: Jakob Schatz (Violine), Michael Gehlmann (Viola) und Denis
Krotov (Violoncello) begeisterten die leider nur wenigen Zuhörer
mit einem ausgezeichneten, dynamisch ausgewogenen instrumentalen
Zusammenspiel. Flüssig gestaltete Allegro-Ecksätze rahmten in
präzisem Concertino die teilweise recht akzentuiert vorgetragenen
Mittelsätze bei Wolfgang Amadeus Mozarts einzigem vollendeten
fünfsätzigen Divertimento-Streichtrio, angefangen vom
gefühlvoll gedeuteten Adagio-Thema über die teils keck
intonierten pfiffigen Menuett-Motive bis hin zum gewichtigen
Andante-Mittelsatz mit seinen tänzerischen Elementen und manchmal
auch resoluten Momenten mit herrlichen virtuosen Laufpassagen in den
einzelnen Instrumenten. Zum Höhepunkt gediehen Johann Sebastian
Bachs Goldberg-Variationen, hier in einer Transkription für
Streich-Trio von Dimitry Slitkovetsky, dem Leiter des New European
Chamber Orchestra. Man war neugierig auf die Darstellung dieses
ursprünglich für Cembalo komponierten Werkes durch drei
unabhängige Streich-Instrumente. Das Neue Wuppertaler Streichtrio
erhob in recht unbekümmerter Gangart diese Variations-Mixtur aus
Kanon, Fuge, Etüden und tänzerischen Elementen zu einem
monumentalen Vortragsstück mit ständig ansteigender
Virtuosität. Schon die reiche Auszierung der zärtlichen
Sarabande im französischen Stil wirkte ungewöhnlich und
bildete in ihrer formalen Struktur das harmonische Grundgerüst
für den Aufbau der 30 Variationen mit ihren polyphonen
Abläufen und wechselnden Besetzungen im Cantus Firmus. Zu den
Höhepunkten der meisterhaften Interpretation des Trios
gehörten die heiter-kräftige 4.Variation, die tänzerisch
anmutige 7, die strenge Fughetta Nr 10 mit ihren acht
Themeneinsätzen, die innig beseelte Nr 13 und die viruose Nr 14,
aber auch im zweiten Teil der Variationenreihe die französische
Ouverture Nr 16 mit dem gravitätisch langsamen Abschnitt in
punktierten Rhythmen, schließlich die passepiedartige Nr 19, die
übermütige Nr 23, die ergreifende chromatische Nr 25, die
großartigen Nr 28 und 29
und schließlich das überraschende Quodlibet-Finale in der
Schlußvariation. Alles in allem eine höchst interessante,
aber durchweg legitime Transkription, die dank der glänzenden, zum
Glück unpathetischen Musizierlaune und virtuosen Spieltechnik der
Interpreten das umfangreiche Werk zu einem nachhaltigen Klangerlebnis
werden ließ.
Schade, dass sich dieses hörenswerte Konzert mit weiteren
kulturellen Veranstaltungen terminlich überschnitt. Bei einer
Besucherzahl im einstelligen Bereich konnte dieses Konzert nicht
kostendeckend gewesen sein.
LB
Mit freundlicher Genehmigung zitiert aus:
Der
Patriot - Lippstädter
Zeitung vom 29.11.2005
Die Leichtigkeit der Mozarttechnik
Reduzierte Mittel, maximale Wirkung: Das Neue Wuppertaler
Streichtrio setzte in der Immanuelskirche Zeitgenössisches in
Kontrast zu
Mozart-Klängen
In strenger schlichter Optik empfängt einen das Innere der
Immanuelskirche nach dem Umbau. Und auch das erste Konzert der
Bergischen Biennale am renovierten Ort hatte etwas von dieser Reduktion
der Mittel.
Das Neue Wuppertaler Streichtrio spielte Neue Musik im Kontrast zu
Mozarts Es-Dur-Divertimento, dem vielleicht wichtigsten Stück
für die Besetzung Violine, Viola und Cello. Das Streichtrio von
Sofia Goubaidoulina bewegt sich stets an der Grenze zum Verschwinden.
Unter verlorenen Linien, die gewaltige Tonräume überspannen,
sind wie zufällig Pizzicati hingetupft. Kurz ballen sich die
Klänge, dicht gedrängt um einen Ton, um schnell wieder zu
zerfasern.
Mit großer Präzision legen Jakob Schatz, Michael Gehlmann
(beide vom Sinfonieorchester Wuppertal) und Denis Krotov Klänge
und Strukturen frei. Wie das Stück selbst spielen sie mit den
Tücken der fragilen Trio-Bestzung, fast immer steht eine der
Stimmen wie verlassen allein.
In der "Elegie" des Wuppertaler Komponisten Adolf Gebauer sind es die
Anklänge an tonal gebundene Musik, die das Trio herausarbeitet.
Die schwebende distanziert melancholische Harmonik findet manchmal
unverhofft zu klaren Dur- oder Mollakkorden, die die untergründige
Emotionalität dann für kurze Zeit deutlich aufscheinen
lassen. Es ist spannend anzuhören, wie das Streichtrio diesen
kühlen, analytischen Zugang zur Neuen Musik auch bei Mozarts
großem Divertimento anwendet.
Die Musiker zerlegen die Mozart-Mechanik in ihre Bestandteile,
Zahnräder, Triebfedern und Zierrat sauber getrennt.
Überdeutlich führen sie thematische Linien quer durch die
Stimmen - und das stets mit ungeheurer technischer Leichtigkeit. So von
jedem drohenden Kitsch befreit, aber eben auch auf einer gewissen
Distanz gehalten, fließt die Musik wie schwerelos dahin - eine
ebenso erholsame wie produktive Ausnahme im Highlight-Einerlei des
Mozart-Jahres.
Von Sebastian Pantel
Mit freundlicher Genehmigung zitiert aus:
Westdeutsche
Zeitung vom 2.Juni 2006
Klangvoller Mozart im Doppelpack
(...) Am späten Samstagnachmittag wartete das "Neue
Wuppertaler Streichtrio mit Werken von W.A. Mozart auf (...).
Gut besucht von jenen, die nicht unbedingt das Fußballspiel
Deutschland gegen Schweden sehen wollten, ist schon das erste Konzert
gewesen. Und die Anwesenden brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen. Denn
Jakob Schatz, Violine, Michael Gehlmann, Viola und Denis Krotov
Violoncello, präsentierten sich als exzellente Musiker, die ein
Programm absolvierten, das es bei aller Kürze in sich hatte: Aus
KV 404a sechs langsame Sätze und dreistimmige Fugen nach Werken
von J.S. Bach und W.F. Bach sowie das Divertimento KV 563 in Es-Dur. Es
wurde der strengste Mozart, den man sich vorstellen kann.
Der "eigentliche" Mozart
Die Bachschen Fugensätze - von Mozart für ein
Streichtrio instrumentiert und in andere Tonarten transformiert -
ließen so gar keine Erinnerung ans Rokokohafte aufkommen.
Vielmehr galt es, hochkonzentriert und diszipliniert das musikalische
Geschehen abzuarbeiten. Wie das allerdings geschah, hat sehr
beeindruckt. Vor allem war es reizvoll zu beobachten, wie die leichten
Anflüge an den "eigentlichen" Mozart im sacht angedeuteten Vibrato
der Violine, mit Charme bei der Viola und einem weichen Ton auf dem
Cello ins Spiel gebracht wurden.
Ganz bei Mozart - und auch ein wenig nicht - fühlte man sich bei
besagtem Divertimento. Die "Unterhaltung" gilt zu Recht als ein
"singuläres Meisterwerk feinster kammermusikalischer
Ausprägung". Und genau so haben es die drei Streicher auch
vorgestellt - dabei die Ernsthaftigkeit der Kammermusik extrem
akzentuierend. Ohne jedwede Zugeständnisse ans Gefällige, im
unverfälscht straff glatten Bogenstrich, mit sicherem Gespür
für den Partner, trafen sie in den langsamen Sätzen
schönsten Mozartton. Dicht kamen die Allegro-Sätze, geradezu
fest. Selbst die beiden Menuette mit ihren kantablen Passagen, atmeten
tranzparente Stringenz. Den drei Solisten - die eher dem
intellektuellen Typus zuneigen - ist da eine wirklich eindrucksvolle
Kammermusik gelungen!
(...)
A. Erck
Mit freundlicher Genehmigung zitiert
aus:
Meininger
Tageblatt vom 28.Juni 2006

Das Tagebuch der Anne Frank
(vp) Aus Anlass des Holocaust-Gedenktages hatten die
Wuppertaler Bühnen und die Kirche in der City nocheinmal "Das
Tagebuch der Anne Frank" in der Fassung von Dora Schneider mit Anja
Barth in der Rolle der Anne aufs Programm gesetzt. Das Besondere war,
die szenische Lesung mit der Musik von Alfred Schnittke, nämlich
seinem Streichtrio von 1985 zu kombinieren.
Das "Neue Wuppertaler Streichtrio" stimmte mit der hochemotionalen
Musik Schnittkes in den Vortrag der bewegenden Tagebuch-Texte ein. Das
Vierton-Motiv des ersten Satzes, die schleichenden Glissandi über
unbestimmten Liege- und Schwebeklängen schufen das
Assoziationsfeld für die Texte der 13- bis 15-jährigen
Jüdin, die in ihrer Zeit des Untertauchens in einem Amsterdamer
Hinterhaus 1942-1944 ihre geheimen Wünsche, Sehnsüchte,
Ängste und Freuden ihrem Tagebuch, der imaginären Freundin
"Kitty", anvertraute. Aus der Tiefe klingt eine sanfte Melodie herauf -
auch Wohlklang gab es in Anne Franks kleiner Welt und unverbesserlichen
Optimismus. Aber die schreienden Dissonanzen in schrillen Höhen
künden schon vom tragischen Ende: Anfang August 1944 verhafteten
die SS und holländische Helfer die acht Untergetauchten, und Anne
und ihre Schwester Margot starben im KZ Bergen-Belsen im Winter 1944/45
während einer Typhusepedemie. Wenn es für das Grauen, das das
junge Mädchen und mit ihr sechs Millionen Juden während des
NS-Regimes erleiden mussten, eine Musik gibt, dann kann es die von
Schnittke sein. "Tagelang saß das Mädchen auf der
Lagerstraße und starb" berichteten Augenzeugen später und
todtraurig klingt die Musik aus, tief bewegend spielt das Trio, ganz
glatt, ohne Vibrati: Volle Klänge, aus denen sich eine Trauerklage
herausschält. Die rhythmischen Teile sind makabre Totentänze,
die sich in verlierende, unbestimmte und fahle Klänge
auflösen: Ergreifender als Anja Barths mitfühlende
Rollenlesung und die tief ausgelotete Interpretation der Musik
Schnittkes kann man sich eine Wiedergabe des Tagebuchs nicht
vorstellen. Beides mahnte, den Holocaust nie zu vergessen.
Von Veronika Pantel, freie Mitarbeiterin der Kulturredaktion
der Westdeutschen Zeitung Wuppertal mit freundlicher Genehmigung zur
Verfügung gestellt.
"Ungehörte Musik" mit vielen Emotionen
Streichtrio überzeugte am Kirchplatz
"Ungehörte Musik" lautete der Titel eines Kammermusikabends
des Neuen Wuppertaler Streichtrios in der Citykirche in Elberfeld. Dahinter verbirgt
sich alte und neue Triomusik, die noch nie oder kaum aufgeführt wurde. Es gab also einiges zu entdecken.
Und das Trio sorgte dafür, daß es ein spannender Abend wurde.
Neu war das Streichtrio des Wuppertaler Komponisten Lutz-Werner Hesse, das aus der Taufe gehoben wurde.
In dem 25-minütigen 51. Opus alternieren und kontrastieren Emotionen. Die gemäßigte, handwerklich perfekte Tonsprache ist oft melancholisch, beinahe leise klagend gehalten. Es gibt aber auch aufwühlende, trotzige Passagen,
die diesen Gefühlswelten entgegenwirken, aber keine Chance haben. Denn der Epilog endet niedergedrückt.
So gut wie in Vergessenheit geraten ist Theodor Anton Blumer, ein Schüler Felix Draesekes, der ein
Vielseitiges Oevere schuf, darunter viel Kammermusik. Sein Streichtrio op. 55 zeugt von hohem kompositoriaschen Können und
ist wie Hesses Stück sehr emotional und ansprechend. Es sollte regelmäßig zu hören sein.
Max Reger hingegen kennen viele, doch wenige sein Streichtrio op. 77b. Auch dieses Werk ist
meisterhaft geschrieben, kräftig in der Aussage.
Jakob Schatz (Violine) und Michael Gehlmann (Bratsche), beide Mitglieder des Sinfonieorchester Wuppertal,
sowie Cellist Denis Krotov verstanden es glänzend, das Programm packend auszuloten: fein ausbalanciert im
Zusammenspiel, klar in der Diktion, sachlich und emotional zugleich. Die musikalischen und kompositorischen Strukturen brachten sie klar zum Ausdruck.
Von Hartmut Sassenhausen
Mit freundlicher Genehmigung zitiert aus:
Westdeutsche
Zeitung vom 8.5.2007

Packende Gestaltungskraft
Warum eigentlich steht die Gattung Streichtrio im Konzertleben derart im Schatten der ungleich populäreren Besetzung Streichquartett? Weil das Repertoire doch deutlich schmaler ist? Weil es nur wenige feste Ensembles gibt, die regelmäßig in dieser Besetzung spielen? Das "Neue Wuppertaler Streichtrio" jedenfalls demonstrierte am Samstag bei seinem Gastspiel im Kultursaal Seßlach die hohe Schule der Kammermusik am Beispiel eines ebenso anspruchsvollen wie interessanten Programms zwischen Klassik und Spätromantik. Daß das "Neue Wuppertaler Streichtrio" ein bestens harmonierendes Ensemble ist, war gleich zum Auftakt bei Beethovens Trio c-Moll op. 9,3 zu erleben. Schon der energisch angegangene, sehr spannungsvoll interpretierte Kopfsatz ließ die bemerkenswerte Qualität dieses Trios deutlich werden. Souveräne Technik jedes einzelnen Musikers verband sich dabei mit reaktionsschnell reagierendem Zusammenspiel, tadelloser Stilsicherheit und intensiver Ausdruckskraft. Das galt im Falle des Beethoven-Trios ebenso für das gesanglich interpretierte "Adagio con espressione" wie für das wirkungsvoll schroff akzentuierte Scherzo. Die eindringliche Interpretation fand ihren brillanten Abschluss im Presto-Finale, das geradezu mit virtuosem Elan gelang, freilich immer wieder auch Gelegenheit bot, kontrastierende lyrische Momente nachdrücklich zu entfalten. Eine regelrechte Entdeckung und eine lohnende Bereicherung des Repertoires stand dann an 2. Stelle der Vortragsfolge: das Trio op. 55 von Theodor Anton Blumer, der an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert (1881 bis 1964) stilistisch beheimatet ist. Blumer, der in Dresden Schüler des Coburger Komponisten Felix Draeseke war und später dort sowie in Leipzig als Kapellmeister wirkte, zeigt sich in diesem Werk bisweilen von Richard Strauss beeinflusst, vor allem in dem "Burleske" überschriebenen Finalsatz. Der in fast spröde anmutender Polyphonie beginnende Kopfsatz steigerte sich in dieser höchst engagierten Wiedergabe zu beträchtlicher Klangsinnlichkeit und zeigte bisweilen fast orchestrale Fülle. Klangsinnlich wie expressiv gestaltete das Neue Wuppertaler Streichtrio auch das ausdrucksvolle, wiederum recht ausgedehnte Adagio, das den Mittelpunkt dieses interessanten Trios bildet. Viele Werke Max Regers wirken oftmals klanglich etwas überladen, verlieren sich bisweilen in wuchernder Chromatik und allzu üppiger Modulationskunst. Sein Streichtrio op. 77 b allerdings, das nach der Pause den Abschluss bildete, wirkt - daran gemessen - fast musikantisch eingängig verdichtet, wirkt aber doch nirgends überfrachtet, sondern oft sehr prägnant, ja eingängig formuliert. Die Gäste aus Wuppertal bewiesen hier erneut ihre Fähigkeit, ebenso spannungsvoll wie nuancenreich und klangfarblich differenziert, dazu mit lebendig atmender Phrasierung zu musizieren. Das begeisterte Publikum erklatschte sich mit ausdauerndem Beifall schließlich noch eine Zugabe - die Wiederholung des langsamen Satzes aus Blumers Streichtrio.
Von Jochen Berger
Mit freundlicher Genehmigung zitiert aus:
Coburger Tageblatt vom 29.10.2007

Hoch emotionales musikalisches Pathos
Drei leidenschaftliche Komponisten und ihre Werke standen auf dem Programm des vor etwa drei Jahren gegründeten "Neuen Wuppertaler Streichtrios": Ludwig van Beethoven mit seiner wegweisenden revolutionären Ausdruckskraft, Max Reger (1873-1916) und seine anrührend wohlklingenden Klangteppiche der Spätromantik, vor allem aber der leider vergessene, gefühlsstarke und für die progressive Romantik der zeitgenössischen Musik vorausarbeitende Komponist Theodor Anton Blumer (1881-1964), dessen 1928 entstandenes Streichtrio durch das Ensemble eine späte Würdigung erfuhr. Der Verlag hat für das Trio exklusiv eine einmalige Verlagskopie des Werkes erstellt, das Mittelpunkt und Höhepunkt des Konzertes in Seßlach war.
Beethovens "Trio in c-Moll, op. 9, 3" zeigte von seinem wuchtigen Anfang an die faszinierende und eigentümliche Ausdruckskraft des Komponisten, die sich im Widerstreit der Themen dialektisch zu eigenen und neuen Synthesen emporarbeitet. Zart und romantisch, voller tief empfundenen Gefühls lässt der zweite Satz nach diesem ersten Aufbegehren der natürlichen Musikalität und den versöhnlichen Harmonien freies Spiel. Furios und virtuos, heiter und zuversichtlich bestätigt das Menuett-Scherzo diese geschlossene energische Kraft, die im furiosen Finale - zwischen Presto und Allegro ma non troppo - leidenschaftlich bestärkt wird.
Regers Orchester- und Kammermusikwerke finden erst in jüngster Zeit stärkere Beachtung, bisher gehörten lediglich seine Orgel-, Chor- und Liedwerke - wenn auch mit vielen Vorbehalten versehen - zum Repertoire von Konzerten. Sein "Streichtrio op. 77 b" war nicht nur deshalb eine neue und tiefe Erfahrung, sondern auch wegen des "anderen" Reger, der hier als heiter und scherzhaft, mit volkstümlich rhythmischem Schwung und ironischen Anleihen bei Polka und Walzer daherkam. Einfacher frommer Gefühlsrausch und pastorale Stimmungsbilder brachten mit den effektvollen Tanzrhythmen und solistischen Bravourstellen eine romantische Stimmung in den Saal.
So beeindruckend und mit Regers Kammermusik auch neu die musikalische Erfahrung war, die höchste Ausstrahlung ging von Theodor Anton Blumer und seinem "Trio op. 55" aus. In einem "Praeludium" von feinsinnigster Verwobenheit und thematischer Variationsvielfalt, in der der Dresdner, der sich der neuen deutschen Schule um Draeseke zugehörig wusste, klassizistische Klarheit der Komposition und impressionistische Ausdrucksnuancen in großen Klangbögen darbietet, erklingen in Kontrasten und novellistischen Brüchen in Tempi und Ausdruck alle Instrumente in eigener Stimmführung. Aus vielfarbigem orchestralen Zusammenklang kristallisieren sich immer wieder einzelne Stimmen und Themen heraus, die fugal oder solistisch virtuos bis zur Kadenz der Violine überraschende Spannung vor Ohren bringen.
Das "Adagio" ist ein sehr inniges ("intimissimo") Cellokonzert großer ursprünglicher Gefühle und Harmonien, bei dem sich alle Musiker zu virtuoser Konzertanz und traumhaft schöner Melodik aufschwingen. Fast sentimental und doch voller Kontraste und selbstironischer Gebrochenheit. Mit der "Burleske", einem rhythmisch in sich wechselnden Scherzo, das im Andante und weichem "weihevollen", heiter zartem Ton verklingt, nimmt Blumer Richard Strauss' Programmmusik oder Wiener Schmäh der Straußfamilie ebenso auf die Schippe, wie er die klaren Neuanfänge mit Poulenc und Dukas kunstfertig vorantreibt. Gedämpft klingt dieses erregende Werk aus.
Jakob Schatz und seine neapolitanische Violine sowie Michael Gehlmann an der Straßburger Viola und Denis Krotov am unendlich singenden Violoncello - alle drei sind Mitglieder des Wuppertaler Sinfonieorchesters - überzeugten in ihrer musikalischen und gefühlsmäßigen Geschlossenheit ebenso wie in ihrer großen virtuosen Brillanz und einem glasklaren und höchst differenzierten Ton.
Die Begeisterung der Musikfreunde machte deutlich, dass dieses Ausnahmetrio höchster Klangkunst mehr als einen kleinen romantischen Zirkel von Konzertbesuchern verdient gehabt hätte.
Von Dr. Peter Müller
Mit freundlicher Genehmigung zitiert aus:
"Neue Presse" Coburg vom 29.10.2007
"Musiker auf Erfolgskurs: Jetzt fehlt nur noch eine Bühne
Wunderbare Klänge "von Mensch zu Mensch" begeisten in der Huppertsbergfabrik
Die Reihe "Musik von Mensch zu Mensch" in der von einem Verein geführten Huppertsbergfabrik macht sich. Nach dem beim zweiten Konzert einige Zuhörer stehen mussten, wurden am Sonntag noch mehr Stühle aufgestellt, die auch fast alle besetzt wurden.
Dabei enttäuscht das Neue Wuppertaler Streichtrio mit Geiger Jakob Schatz, Bratscher Michael Gehlmann (beide vom Wuppertaler Sinfonieorchester) und Cellist Denis Krotov von den Dortmunder Philharmonikern die Erwartungen nicht. Sie bieten wunderbare Klangqualität, fein aufeinander abgestimmt und perfekte Technik.
Für den Beginn suchen sie sich das Trio A-Dur des unbekannten Brahms-Zeitgenossen Heinrich von Herzogenberg aus. Mit dicht verwobenen Stimmen und zupackendem Ton spielen sie das eher schlichte Werk. Anschließend folgt das Trio D-Dur op.9 von Ludwig van Beethoven. Hier können die Musiker ihre Stärken besonders zur Geltung bringen: lang gezogene Melodielinien, die sie mit großer Varianz an Lautstärke und Klang gestalten, oder kleine verspielte Motive, dem großen Ganzen untergeordnet. Wobei Lyrik und ernste Momente dem Trio mehr liegen als das Verspielte.
Den Abschluss macht das Trio c-moll von Carl Reinecke, ein dramatisches, oft zerklüftetes Spätwerk des Komponisten. Die Zuhörer applaudieren begeistert und geben am Ausgang freigiebig Spenden, um eine Fortsetzung der Konzertreihe zu ermöglichen. Organisator Joachim Schiefer hofft auch, bald eine Bühne finanzieren zu können, die den Genuss für das Publikum sicher noch steigern könnte. (...)
von Tanja Heil
Mit freundlicher Genehmigung zitiert aus:
Westdeutsche
Zeitung vom 29.01.2008
Werke von Theodor Blumer und Max Reger mit einzigartiger TiefeTief bewegend Von gläserner, zerbrechlicher Zartheit ist Theodor Blumers Ansatz zu seinem stimmungsreichen Streichtrio op. 55, das jetzt in einer
brillanten Aufnahme des "neuen wuppertaler streichtrios" mit Jakob Schatz (Violine), Michael Gehlmann (Viola) und Denis
Krotov (Violoncello) vorliegt. Mit feinstem Gespür für die Größe und Dramatik des Stücks hat das Trio aus
Musikern des Sinfonieorchesters Wuppertal und der Dortmunder Philharmoniker mit dieser "Entdeckung" und Erst-Einspielung
Blumers kammermusikalischer Rarität auf Anhieb gültige Bedeutung gegeben. Es wird folgenden Ensembles schwer fallen,
diesen Rang in der längst fälligen Beachtung und Interpretation des 1964 gestorbenen Komponisten auch nur annähernd
zu erreichen.
Zugleich werden der tiefe Ernst und der hohe Wert der höchst komplexen Musik in einer Würdigung deutlich, die dem in
Sonatenform angelegten op. 55 bislang vorenthalten wurde. Die klassischen harmonischen Strukturen mit herrlichem Leben erfüllend,
führt das Trio ergreifend durch die ästhetische Komposition - ein Meisterwerk, wie Michael Gehlmann in den begleitenden
Zeilen des Booklet völlig richtig anmerkt. Mit dieser Referenz-Aufnahme besetzen die drei Musiker nachhaltig auch einen Platz in
der Rezeption jüngerer Kammermusik, der damit eindeutig ihnen gehört. Hier geht Musik so tief unter die Haut, daß man
nach schweigendem Genuß mit ehrfürchtigem Schauer ein bewegtes "Chapeau!" über die Lippen bringt.
Reichhaltig rezipiert hingegen ist Max Regers Streichtrio 77b, das sich Theodor Blumer anschließt - und das Schatz, Gehlmann und
Krotov (nahezu als Beigabe zu ihrer vorzüglichen Blumer- Einspielung) nicht minder gefühlvoll interpretieren. Beinahe
populär klingend macht Regers mit scheinbar leichter Hand komponiertes Opus das voraus gegangene von Theodor Blumer noch
einen Hauch deutlicher in seiner Größe erkennbar. Zwei derartige kammermusikalische Delikatessen mit dieser Brillanz auf
einer CD - ein großes Geschenk für den Musikfreund. Weil so viel Gutes selten auf einmal präsentiert wird, gebührt
dem Album Ehre: ein Musenkuß für "neues wuppertaler streichtrio"!
Von Frank Becker
Mit freundlicher Genehmigung zitiert aus:
www.musenblaetter.de
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